Pendlergeschichten #2

Pendlergeschichten-II

Drei Jahre pendeln liegen hinter mir. Wieso, weshalb und warum habe ich euch in Pendlergeschichten #1 erzählt. Nun geht es um die schlimmen und lustigen Geschichten, die ich dabei erlebte.

Zu Anfang dachte ich, dass ich beim Pendeln mit der allseits beliebten deutschen Bahn Millionen Geschichten ansammel, die ich meinen Followern und bestimmt irgendwann meinen Enkeln erzählen werde, aber da hat mich die Bahn enttäuscht. Nix da, ich kann mich nach drei Jahren kaum an irgendwelche Gescichten und großartige Ausfälle erinnern.

Die größten Ausfälle gab es wohl im Juni letzten Jahres nach dem Sturm, als ich etwa eine Woche lang nicht in die Uni kam. Der Sturm hat viele Bäume umgehauen, die dann auf die Oberleitungen fielen und dann war nichts mehr mit Bahn. Die lange Strecke von Dortmund nach Bielefeld war nach 2 Tagen wieder befahrbar, aber die Strecke zwischen Bochum und Dortmund bliebt noch einige Tage länger gesperrt und wo der Ersatzverkehr blieb, tja das wussten nicht einmal die Bahnmitarbeiter. Aber ich befand mich da zum Glück bereits in der Bacheorarbeit, sodass es nicht so arg tragisch war und alle Verständnis hatten.

Ansonsten kann ich mich nur daran erinnern, wie die Bahn vom plötzlichen (seit einer Woche vom Wetterdienst angekündigten) Schneefall im Januar meines ersten Studienjahres überrascht wurde. Da fiel auch einiges aus. Und dann gab es natürlich einige Male „Personen im Gleis“, was meistens ziemlich viel Ärger bedeutet. Meistens dauert es gefühlte Stunden, die Personen zu suchen und wieder aus dem Gleis zu entfernen. Eine von solchen Situationen brachte mich mit dem ICE bis nach Niedersachsen rein, denn der ICE war das einzige, was Richtung Bielefeld fuhr, mit einer Riesenumleitung. Ich wurde „ausnahmsweise“ mal mitgenommen und nachdem der ICE bereits in Niedersachsen war, machte er einen außerplanmäßigen Halt an einem gottverlassenen Bahnhof in NRW, wo man mit einer Bimmelbahn wieder zurück nach Bielefeld fahren konnte. Mit einer 3-stündigen Verspätung war ich dann auch mal da :)

Einen einstündigen Aufenthalt kurz vor Dortmund bescherte mir einmal ein (leerer) Kinderwagen im Gleis, wofür ich gleich viel weniger Verständnis aufbringen kann. Ich meine…ist denn aussteigen, Kinderwagen entfernen, weiterfahren denn so schwer? Und „Spielende Kinder im Gleis“ ist auch so eine Sache. „Fotografierende Teenies“ kann ich ja gut nachvollziehen *hust* aber zum Spielen sind Gleise denkbar schlecht.

Ansonsten fällt mir nur noch eine Situation ein, die zwar ärgerlich war, in der ich aber eine liebe Freundin kennen gelernt habe, weswegen mir der Vorfall in guter Erinnerung blieb. Und zwar ist es nämlich so, dass wenn dein Zug fährt und du plötzlich ein Laut hörst, als wäre ein Elefant auf dem Dach des Zuges gelandet, dann ist es nicht gut. So passiert direkt in meinem ersten Jahr an einem kalten November oder Dezembermorgen. An dem nächsten gottverlassenen Bahnhof (ihr müsst wissen, ungefähr alle Bahnhöfe in der Umgebung von Bielefeld sind gottverlassene kleine Kaffs) wurden alle aus dem Zug geschmissen, weil Zug kaputt. Wer hätte das gedacht. Auf dem Gleis kam ich zufällig mit einem Mädel ins Gespräch, was in meiner Fakultät studierte und fast genauso eine lange Strecke pendelte wie ich – die erste, die ich kennengelernt habe! Endlich jemand, der nicht den Blick aufsetzte, sondern Verständnis hatte! Daraufhin fuhren wir oft zusammen und heulten uns gegenseitig über Profs und Veranstaltungen aus. So kann es gehen :) An sich bin ich überhaupt nicht die Person, die irgendwelche Leute im Zug anquatscht und eh die Nase permanent im Laptop/Handy/Buch steckt, aber ich habe schon wildfremde Leute über mein Fach aufgeklärt (mehrmals), Erstis meines Faches Tipps gegeben und Mut gemacht, und mich vor allem mit älteren Menschen nett unterhalten. Ab und an natürlich mit Kommilitonen gefahren, die übers Wochenende nach Hause fuhren. War meistens alles ganz nett und der einzige zulässige Grund, um nicht Unikram zu machen.

Aber zurück zum Thema Bahn: die Horrorstorys sind eben auf drei Jahre gerechnet ziemlich wenige. Natürlich gab es viele Verspätungen zwischendurch. Natürlich bekommt man eine Verspätung, wenn einen der dritte ICE überholen muss (Dazu fällt mir die Durchsage ein: „Der ICE nach Berlin Ostbahnhof kann nun doch nicht mehr erreicht werden, da wir soeben von ihm überholt wurden!“ Tja, scheiße gelaufen). Aber insgesamt waren die Züge auf der Strecke doch recht pünktlich und auch leer (wer fährt auch schon nach Bielefeld…:D) sodass ich mich meistens auf zwei Sitzen ausbreiten konnte und so Platz für Laptop, Block und Buch um mich herum vorhanden war. Nicht beheizte Bahnen im Winter und nicht klimatisierte im Sommer habe ich auch nie zu Gesicht bekommen. Höchstens auf gefühlte 15°C temperierte Züge bei 30°C Außentemperatur. Auch nicht so nett, aber nun gut. Es ist erfrischend.

Ich bin so ein richtiger Pendler. Ich weiß genau, wo ich mich am Gleis hinstellen muss, damit die Türen des Zuges zentimetergenau neben mir stehen bleiben. Ich weiß, welche „Überholung des Fernverkehrs“ gerade an meinem Zug vorbeiraucht. Ich wurde nicht nur einmal mit einem „Ihre Fahrkarte bitte!“ unsanft aus dem Schlaf gerissen. Ich kann nach einem kurzen Blick aus dem Fenster sagen, zwischen welchen Bahnhöfen wir gerade langfahren. Ich habe meinen festen Platz im Zug, wo R., meine Pendlerfreundin mich immer finden kann (nicht wegen ihr, sondern weil ich gerne meinen Platz habe). Und zuletzt verwunderte mich eine Fähigkeit selbst: wenige Sekunden, bevor mein Zug im Zielbahnhof einfährt ohne Wecker und Dösassistenten aufwachen (meine Haltestelle habe ich nur einmal in 3 Jahren verschlafen!).

Was ich damit sagen will? Pendeln ist definitiv anstrengend und nervig. Kann aber auch witzig, kommunikativ und produktiv sein.  Muss man nicht machen. Kann man aber!

Was für Pendlergeschichten habt ihr denn schon erlebt?

11 Kommentare

  1. Also so könnte ich mir pendeln auch nich vorstellen. Nichts ist schlimemr als ein überfüllter Zug.
    Ich bin ja immer nur Bus gefahren, das ist nach wie vor Horror :(

  2. Ich hab mir gerade Pendlergeschichten #1 durchgelesen und ich kann es soooooooooo gut nachvollziehen! Zwar habe ich keine so extrem lange Strecke wie du, doch für manche sind sogar 1 – 1,5 Stunden schon echt lang. Ich mag schon gar nicht mehr sagen, wie lange ich brauche um zur Arbeit zu kommen, da dann immer DER BLICK kommt. Die Hälfte meiner Strecke fahre ich allerdings mit dem Auto und so erwähnenswerte Geschichten sind da jetzt noch nicht vorgefallen :)

  3. Ich hatte nicht so viel Glück mit der Bahn, bei mir ging einiges schief. Aber man trifft natürlich ab und an auch ein paar interessant Menschen. Ich habe eine Zeit lang Pokemon im Zug gespielt und mit meinem DS fast jeden Morgen dieselbe Person im spielt getroffen. Das war toll. :D

  4. Ich musste mal wegen eines Jobs Zug fahren – 30 Minuten (kann man sowas pendeln nennen? xD) – aber selnst diese 30 Minuten haben mich fertig gemacht. Es war furchtbar nervig, deswegen: Hut ab! :)

    Also ich finde KC genauso toll wie YC :) Soweit ich mich richtig erinnere, ist es ja auch der gleiche „Gruender“. Wie bei YC gibt es bei KC auch von einem Duft mehrere Groeßen. Ich habe bisher nur Daylights (etwas groeßere Teelichter) und Melts. Beides toll, wuerde aber in Zukunft zu melts greifen :)

  5. Ich bin auch mal eine zeitlang zwei- oder drei Mal die Woche von Bremen nach Hamburg gefahren. Das war meist eher nachmittags/abends – und ich habe einige Mal echt gezittert, meinen letzten Zug zurück noch zu bekommen. ;)

    Da wusste ich immer ganz genau, wie ich am schnellsten von der U-Bahn zum Gleis komme. Habe jeden Meter eingespart und war irgendwann echt verdammt schnell. :D

    Liebe Grüße und das mit den Türen am Gleis kenne ich auch. ;)
    Sarah Maria

  6. „Ich bin so ein richtiger Pendler. Ich weiß genau, wo ich mich am Gleis hinstellen muss, damit die Türen des Zuges zentimetergenau neben mir stehen bleiben.“

    Und ich dachte schon, das wäre so eine verquere Eigenschaft, die nur ich hab! XD
    Ich bin da genau so… Meistens schaue ich mir beim Zug davor die Türenposition ab… Bei den U-Bahnen hier in der Stadt muss ich das nicht mal mehr! :D

    Die Zeit nach dem Sturm war echt übel. Nicht mal innerhalb der City ging was.
    Wie viel man beim Bahnfahren erlebt… Da könnte ich auch einiges drüber schreiben… Gerade was Busfahren angeht… Tolle Reihe! ♥

  7. Jana says: Antworten

    Höhö, ich hab auch immer „meinen“ Platz im Zug (und verfluche immer heimlich die Leute, die da schon sitzen, wenn ich einsteige, pah…).
    Und Probleme mit Verspätungen haben irgendwie immer nur die Leute, die einmal im halben Jahr Zug fahren. :D Meine Züge waren auch die meiste Zeit pünktlich.

    Und oh, meine seltsamsten Pendlergeschichten…
    Einmal wollte sich ein Mädchen neben mich setzen, ich nehme meine Tasche vom Sitz und sie setzt sich neben. Ihre fette Handtasche hat sie dabei zwischen uns gestellt und auch während der kompletten Fahrt nicht weggenommen. o_O Das fand ich schon etwas seltsam, ich mein, so eklig bin ich nun auch wieder nicht.
    Mein zweites seltsames Erlebnis war ein Afrikaner, der sich erst eine Zeit lang in gebrochenem Englisch mit mir unterhielt, bevor er plötzlich meine Adresse haben wollte, weil er Hilfe bei irgendwas benötigte. Ich hab ihm sicher 10mal erklären müssen, dass ich das nicht tue, bevor ich mich irgendwann nur noch mit meinem Kindle beschäftigt habe, weil er SO penetrant immer wieder nachgefragt hat. x_x‘

  8. Das mit den Türen wusste ich auch immer, als ich noch Bahn fuhr. Alles im Allen bin ich früher auch meistens gern Bahn gefahren.
    Da habe ich gleich immer die Ladung an sozialen Kontakten abbekommen, die ich vertragen kann, und brauchte sonst keine mehr :D
    Ich könnte mich sicher auch wieder umorientieren. Im Moment fahre ich fast überall mit dem Auto hin, aber wenn ich im Oktober in Essen meinen Master anfange (wohne im Bochumer Süden), dann fahre ich auch wieder mit der Bahn. :3

  9. Vielen Dank für Deinen wunderbaren Blog, ich schaue, seitdem ich ihn entdeckt habe, immer wieder gerne vorbei!

    Schöne Reihe mit den Pendlergeschichten – könnte auch einiges beisteuern!

    Lieben Gruß und einen wunderbaren Sonntag für Dich,
    Anita

    1. Solltest du was in der Richtung veröffentlichen, würde ich es gerne lesen :)

  10. Ich pendel jetzt seit drei Wochen und ich hab gestern tatsächlich überlegt auch Pendlergeschichten zu veröffentlichen, da ich das bei dir gesehen hab und schon zwei lustige Sachen passiert sind… :-D Mal schauen…

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