Leben leben leben und nicht bloggen.

Seit ich – mal wieder – meine Prüfungsphase irgendwie mit Ach und Krach überlebt habe und mich etwas davon erholt habe, denke ich die letzten Tage über diesen Blog nach. Manchmal habe ich ich ihn sogar geöffnet, meinen letzten Post über den Urlaub in Dänemark im März, der im Juli veröffentlicht wurde, gesehen, und schnell wieder zugemacht. Es ist quasi tot. Zwischendurch einen der 9 bisher in 2016 erschienenen Posts ausspuckend und leicht zappelnd, aber eigentlich tot. (Der hier ist Nummer 10, wir können anstoßen!)
Es ist so ein typischer Fall von „wir können nicht ohne einander, aber auch nicht mehr wirklich miteinander“. Doch, eigentlich können wir immer besser ohne einander.

Meine Welt ohne bloggen ist tatsächlich schön und mir fehlt nichts. Meine Welt dreht sich schnell, aber auf eine positive Art und Weise. Ich gehe morgens zur Uni, komme abends wieder, mache spannende Dinge und lerne dazu. Nach Feierabend bin ich auch manchmal unterwegs und es ist wundervoll, so als früherer Stubenhocker. Mein Wochenende ist meist verplant und oft auch in verschiedenen Orten, aber immer mit lieben Menschen. Es geht alles sehr schnell, Tage, Wochen, Monate, oft schaffe ich es nicht einmal, einen Schnappschuss mit dem Smartphone zu machen, aber das ist okay. Es ist wunderbar.

Dennoch fällt es mir schwer, das Bloggen aufzugeben. Ich möchte gerne schreiben, Fotos zeigen, Inspirierendes finden. Ich muss manchmal an die Worte meines Dozenten in einem Englischkurs denken: „Wenn du vom Bloggen redest, spürt man deine Begeisterung. Man will selber sofort einen Blog aufmachen und anfangen.“ Ich möchte irgendwie gerne, dass das Bloggen für mich wieder so wird. So wie es damals war. Ich weiß aber absolut nicht wie. In meinem aktuellen Leben ist kein Platz mehr dafür. Und die Bloggerwelt ist schon meilenweit weitergegangen.

Ich habe versucht, Inspiration zu finden. Blogreader auf, Inspiration wuuuusschhhh! So hat es früher funktioniert. Was haben wir heute? „10 Arten, wie dein Blog mehr Leser bekommt!“, „Wie du xy lernst“, „Meine top 5 Schießmichtot’s“, Post ohne großen Inhalt zur Blogparade XY, weil mal wieder der Monatstag dafür war, Bericht vom Event X mit Gewinnspiel vom Hauptsponsor. Blah blah blah. Posts, die ich gar nicht anklicken mag, weil ich a) von vorne rein weiß, was für eine Zeitverschwendung sie sein werden und b) sie vor lauter Konstruiertheit, Geplantheit, SEO, Bloggertippscliches nur so triefen. Das macht man aber jetzt wohl so. Vielleicht springt die breite Masse ja darauf an und ich habe den Puls der Zeit mal wieder nicht verstanden. Kann sein, ich war noch nie der Trendsetter (oder nennt man das jetzt Influencer?), ich hatte nie eine riesige Fans und Followerschar, ich war nie die mit den coolen Sprüchen auf Twitter (zu uncool) und und nicht der allgemeine Girlcrush (zu hässlich, zu untrendy-witchy-rothaarig, zu dick-und-unpastellhaarig, zu unfancy eben) auf Instagram. Aber das ist okay, also ich mag mich ;) Daher habe ich wohl schlicht keine Ahnung von dieser ganzen Onlinewelt, wie sie gerade so ist. Ich, genau so gut so wie ich bin, passe nicht hin. Was nicht heißt, dass ich doof bin oder die Welt doof ist, es passt einfach nicht.

Es gibt immer noch ein Paar Posts, die ich mag. Eine Reflektion über das letzte Lebensjahr, ein Post über eine Unternehmung, ein Reisepost zu einem greifbaren Ziel (kein „Die 10 besten einsamen Strände am hintersten Eck im hintersten Indien“ Mhhh schöne Bilder. Very much erreichbar und relevant für mich, nicht.), so etwas, aber es sind verdammt wenige. Ich spüre keinen Motivationsschub, keinen Mitteilungsdrang und keinen Bedarf, so ein richtiger Blogger zu sein, regelmäßig und geplant Posts zu veröffentlichen, nebenbei noch die Social Media richtig zu bespielen und überhaupt. Ich war schon immer ein Internetkind, aber aktuell fühle ich mich hier nicht mehr so wirklich heimisch. Ich weiß einfach nicht mehr, warum ich bloggen sollte.

Und nun hinterlasse ich euch diesen Post ohne jeglichen Mehrwert, ohne 5 Tipps zum besseren Leben, ohne Zwischenüberschriften, Fokuskeword, ausgehende Links und sonstiges Blabla, ohne ein Bild von einem weißen Tisch mit einem weißen Macbook, einem Bloggerplaner und einem einsamen Sukkulenten, gehe mal meine 12 Aktualisierungen (davon 8 Plugins) aktualisieren, und wir werden sehen, was die Zukunft bringt.

6 Kommentare

  1. Schön und ehrlich geschrieben, meine Liebe. Aktuell öffne ich auch immer das Dashboard, klicke die Aktualisierungen an, gehe sie durch, lasse sie laufen und dann? Ja, dann klicke ich das Fenster zu, weil ich einfach aktuell nicht weiß, was ich so schreiben soll.

    Diese (meist dämlichen) Posts mit irgendwelchen Tricks für mehr Follower oder so, auf die hab ich auch keine Lust. Weder mag ich sie lesen, noch (und erst recht nicht!) solche schreiben.

    Aktuell hab ich auch wenig zu erzählen und das meiste davon gehört sowieso nicht auf meinen Blog, dafür ist es zu privat. Du weißt ja Bescheid ;)
    Da ich halt im Moment auch gern öfter die Kamera auspacke, ist es halt blöde, nur die Bilder so zu zeigen.

    Wir sind halt nicht so coole & trendy Influencer-Mädels und ich kann genau wie du sehr gut damit leben :>

  2. Ich versteh dich so gut und mir gehts da aktuell auch sehr ähnlich.

    MIttlerweile blogge ich wirklich nur noch für mich und wann ich Zeit und Lust habe, aktuell sehr unregelmäßig.
    Ich hätte noch einiges zu bloggen, was mir am Herzen liegt (zb Urlaubsposts – immerhin ist mein Blog mein kleines Tagebuch), aber mir fehlt die nötige Zeit und noch mehr die nötige Motivation.
    Aber in den Sommermonaten ist das normal – man konzentriert sich da einfach auf viel mehr und lieber auf das „richtige Leben“ da draußen, und das ist auch gut so! ;)

    Mir ist auch vollkommen egal, ob und wieviele meinen Blog lesen – ich freu mich natürlich über Kommentare, aber ich erwarte keine unbedingt, somit werde ich auch nicht enttäuscht, wenn ich was blogge, was mir wichtig ist, aber andere nicht (so) interessant finden.
    Viele sind aber auch einfach „kommentierfaul“ geworden und lassen eher ein „Like“ da, ob nun auf dem Blog oder den Social Media Kanälen.

    Die Bloggerwelt verändert sich so schnell – teilweise leider auch zu ihrem schlechteren :(

    Aber ich freu mich dann umso mehr, wenn es auch noch „normalos“ gibt, die wie ich denken – dass viele Leser/Kommentare und Co nicht das Wichtigste sind, sondern wie man sich selbst damit fühlt.

    Ich les sehr gerne, was bei dir passiert und freu mich über jeden noch so kleinen Beitrag von dir – und wenn das nur 10x im Jahr ist.. ;)

    :-* <3

  3. oh wie gut ich dich verstehe. ich mache hier auch mein ding, habe aber immer wieder das gefühl, von diesen online-trends überrrollt zu werden. während man früher iregndwie der nerd war, wenn man einen blog hatte, ist man jetzt fast schon ein nerd, wenn man bei diesem ganzen wahnsinn nicht mitmacht. ich frage mich nur: was ist der mehrwert für mich? und für die vielen, die das tun? sie können garantiert nicht alle davon leben, also warum? wegen ein paar produktproben? es ist immer schwerer, in dem gewirr an für mich extrem nutzlosen seo-optimierten gesponserten beiträgen blogs und blogger zu finden, die von herzen teilen, was in ihnen vorgeht. ich habe das immer wegen der menschlichkeit gemacht und ich tue es noch – obwohl man die mittlerweile schon leichter wieder offline findet…

  4. Kann ich so nur unterschreiben, mir geht es im Moment genauso. Die Bloggerwelt verändert sich so schnell und ich weiß schon seit einiger Zeit nicht mehr, ob ich überhaupt noch bloggen will, dabei hat mir das immer solchen Spaß gemacht… Mittlerweile ist mein letzter Post schon fast zwei Monate her, so ziemlich die längste Zeitspanne, die ich jemals hatte, und ich bin mir nicht sicher, ob und wann ich wieder die Motivation habe, etwas zu veröffentlichen.

  5. Ich kenn das.
    Mit meinem alten Blog war ich da voll gefangen, geflashed und irgendwie mühseelig am hinterher rennen einen fancy-shizzle-Mehrwert-Blog zu erschaffen. Ich bin gescheitert und holte mir eine neue Domain.
    Ich habe mich nun dafür entschieden nur regelmäßig einen Monatsrückblick zu machen, in den es um mein super-spannendes Leben geht.
    Und wenn ich einen Text produziert habe für meinen Blog, dann kommt der online. Aber nicht weil ich bloggen müsste. Muss ich nämlich nicht. Ist ja nicht mein Beruf :D
    (Es ist aber schwer… Es kommt immer wieder der Gedanke: Du musst doch bloggen!)

  6. Liebe Leeri,

    ich habe deinen Eintrag schon länger gelesen und habe für Erste nichts geschrieben. Nichts, weil du schon alles gesagt hast. Wahrscheinlich kommen wir einfach von einer anderen Zeit, Oder sind dem allen hier entwachsen. Was ich auch unheimlich finde ist, wie gut eigentlich alles auch ohne dieses ganze Internet, Blog, etc. läuft. Aber wenn man solange dabie ist hängt man eben dran. Ich versuche gerade den Mittelweg zu gehen. Kein Sociel Media mehr, einfach mehr schreiben, auch wenn es Mischmasch ist ohne Mehrwert für andere. Aber was zählt ist, das ich Spaß dran habe und irgendwann mir das alles nochmal angucken kann. Meine Freude liegt in der Gestaltung von dem allen. Deshalb mache ich weiter.

    Ich hoffe du findest bald wieder Spaß und/oder Zeit für das alles. Bis dahin, genieß dein Leben, mach was dir gefällt <3

    Alles Liebe, Hani

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